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DISG im Vertrieb: Verkauf so, wie dein Kunde kauft

Zwei Kunden, dasselbe Produkt, derselbe Pitch — einer unterschreibt, der andere ist raus. Woran liegt das? Oft nicht am Produkt und nicht am Preis, sondern an der Art, wie du verkaufst. DISG im Vertrieb heißt: Du erkennst, wie dein Kunde tickt, und passt dein Gespräch daran an. Nicht als Manipulationstrick, sondern aus Respekt — du gibst jedem Kunden das, was er braucht, um eine gute Entscheidung zu treffen.

Falls dir das Modell neu ist: DISG unterscheidet vier Verhaltenstypen — dominant, initiativ, stetig und gewissenhaft. Es geht zurück auf William Moulton Marston, der die Grundlagen 1928 beschrieben hat. Die Basics findest du im Artikel DISG-Modell einfach erklärt. Hier geht es um die Anwendung: erkennen, anpassen, abschließen.

Warum ein Pitch nicht für alle funktioniert

Die meisten Verkäufer verkaufen so, wie sie selbst gern kaufen würden. Der dominante Verkäufer kommt schnell zum Punkt und wundert sich, warum der vorsichtige Kunde abspringt. Der beziehungsstarke Verkäufer plaudert sich warm und verliert den Kunden, der nur Zahlen sehen will.

Das Problem: Dein natürlicher Stil passt gut zu Kunden, die so ticken wie du. Bei allen anderen erzeugst du Reibung, ohne es zu merken. Wer typgerecht verkauft, verkauft nicht anders — er verkauft passend.

Woran erkennst du den DISG-Typ deines Kunden?

Du kannst deinem Kunden keinen Test vorlegen. Musst du auch nicht. Zwei Fragen reichen für eine erste Einschätzung: Ist er eher schnell oder eher bedacht? Und ist er eher sachorientiert oder eher menschenorientiert? Aus diesen beiden Achsen ergibt sich der wahrscheinliche Typ.

Am Telefon

Schon die ersten Sätze verraten viel:

  • D (dominant): Meldet sich knapp, kommt sofort zur Sache, unterbricht auch mal. Typische Frage: „Was bringt mir das und was kostet es?“
  • I (initiativ): Redet gern, lacht, erzählt von sich, springt zwischen Themen. Das Gespräch fühlt sich nach zwei Minuten an wie ein Plausch unter Bekannten.
  • S (stetig): Freundlich, ruhig, eher zurückhaltend. Stellt wenige Fragen, sagt selten direkt Nein — und will fast immer erst mal drüber schlafen.
  • G (gewissenhaft): Fragt präzise nach, will Unterlagen vorab, korrigiert dich bei Details. Small Talk läuft ins Leere.

Im persönlichen Gespräch

Vor Ort kommen weitere Signale dazu. Der D-Kunde gibt dir einen festen Händedruck, setzt sich hin und will loslegen — sein Blick geht zur Uhr, wenn du ausschweifst. Der I-Kunde macht Small Talk, bevor du überhaupt sitzt, und hat sichtbar Freude am Gespräch.

Der S-Kunde ist herzlich, aber vorsichtig; er hört mehr zu, als er redet, und harmonisiert lieber, als zu widersprechen. Der G-Kunde hat sich vorbereitet, hat vielleicht deine Unterlagen mit Anmerkungen dabei und stellt Fragen, auf die du besser eine Antwort hast.

Wichtig: Das ist eine Hypothese, kein Urteil. Beobachte weiter und korrigiere deine Einschätzung, wenn das Verhalten nicht passt.

Was jeder Typ im Verkaufsgespräch braucht

Der dominante Kunde: Ergebnis und Optionen

Der dominante Typ kauft Ergebnisse, keine Prozesse. Steig direkt mit dem Nutzen ein: Was hat er davon, in einem Satz. Details lieferst du auf Nachfrage, nicht vorsorglich.

Und gib ihm Optionen. Ein D-Kunde will entscheiden, nicht überredet werden. Zwei oder drei klare Varianten mit deiner Empfehlung — und dann lässt du ihn wählen. Die Entscheidung trifft er, nicht du.

Was ihn vergrault:

  • Small-Talk-Marathon und langes Vorgeplänkel
  • Um den heißen Brei reden statt klarer Aussagen
  • Schlecht vorbereitet sein — er merkt es sofort und wertet es als verschwendete Zeit

Der initiative Kunde: Beziehung und Story

Beim initiativen Typ läuft nichts ohne Beziehung. Er kauft von Menschen, die er mag. Nimm dir Zeit für das Persönliche, zeig echtes Interesse — das ist bei ihm kein Umweg, das ist der Weg.

Verkauf ihm keine Datenblätter, sondern Bilder. Erzähl, wie andere Kunden das Produkt nutzen und was sich für sie verändert hat. Der I-Kunde entscheidet über Begeisterung — mach das Ergebnis vorstellbar.

Ein Punkt ist kritisch: Mach den nächsten Schritt im Gespräch fest. Der I-Typ sagt schnell und ehrlich begeistert zu — und vergisst es genauso schnell wieder. Termin, Unterschrift oder konkreter Folgeschritt, bevor ihr auseinandergeht.

Was ihn vergrault:

  • Mit Tabellen und Kleingedrucktem einsteigen
  • Seine Begeisterung mit Einwänden und Risiken abwürgen
  • Ein rein sachliches, kühles Gespräch ohne persönliche Ebene

Der stetige Kunde: Sicherheit und Referenzen

Der stetige Typ ist der loyalste Kunde, den du bekommen kannst — wenn du ihm Zeit gibst. Er braucht Sicherheit, bevor er sich bewegt. Jede Kaufentscheidung ist für ihn eine Veränderung, und Veränderung ist erst mal unbequem.

Arbeite mit Referenzen: Wer nutzt das schon? Welche Erfahrungen gibt es? Der S-Kunde will nicht der Erste sein, der etwas ausprobiert. Und zeig ihm den Weg nach dem Kauf — was passiert Schritt für Schritt, wer kümmert sich, an wen kann er sich wenden.

Plane Bedenkzeit ein und fass verbindlich nach. Ein „Ich überlege es mir“ ist bei ihm keine Absage, sondern sein normaler Entscheidungsweg. Wer hier dranbleibt, ohne zu drängen, gewinnt einen Kunden fürs Leben.

Was ihn vergrault:

  • Druck und Verknappung („Das Angebot gilt nur heute“)
  • Hohes Tempo und Entscheidungszwang im Erstgespräch
  • Die Veränderung größer machen, als sie ist

Der gewissenhafte Kunde: Daten und Zeit

Der gewissenhafte Typ kauft keine Versprechen, er kauft Belege. Komm mit Fakten, Zahlen und nachvollziehbaren Argumenten. Schick ihm Unterlagen vorab — er will sich vorbereiten, und er wird es tun.

Nimm seine Fragen ernst, auch die dritte Nachfrage zum selben Detail. Das ist kein Misstrauen gegen dich, das ist seine Art, Qualität zu prüfen. Und wenn du etwas nicht weißt: sag es ehrlich und liefere nach. Eine erfundene Antwort fliegt auf und kostet dich das Geschäft.

Gib ihm Zeit zum Prüfen. Der G-Kunde entscheidet langsam, aber gründlich — und wenn er Ja sagt, dann steht das Ja.

Was ihn vergrault:

  • Superlative ohne Beleg („das beste Produkt am Markt“)
  • Fragen abtun oder ausweichend beantworten
  • Fehler in deinen Unterlagen — für ihn ein Zeichen, dass auch der Rest nicht stimmt

Welche Rolle spielt dein eigener Typ?

Typgerecht verkaufen beginnt nicht beim Kunden, sondern bei dir. Dein eigenes Profil bestimmt deinen Standard-Stil — und damit auch, welche Kunden du unbewusst verlierst. Der dominante Verkäufer überfährt den S-Kunden. Der gewissenhafte Verkäufer langweilt den I-Kunden mit Details, die der nie hören wollte.

Wenn du dein eigenes Profil noch nicht kennst, mach zuerst die kostenlose Potenzialanalyse. Erst wenn du weißt, wo dein Standard-Stil liegt, weißt du, bei welchen Kundentypen du bewusst gegensteuern musst.

Ehrlich bleiben: DISG ist ein Werkzeug, keine Röntgenbrille

Kein Mensch ist ein reiner Typ. Die meisten Kunden zeigen eine Mischung, und deine erste Einschätzung kann danebenliegen. Das ist okay — DISG ersetzt kein Zuhören, es schärft dein Zuhören. Ob das Modell bei dir DISC oder DISG heißt, spielt übrigens keine Rolle; die Unterschiede erklärt der Artikel DISC oder DISG.

Und noch eins: Typgerecht verkaufen ist keine Verkleidung. Du verbiegst dich nicht, du übersetzt. Dasselbe ehrliche Angebot, in der Sprache formuliert, die dein Gegenüber versteht. Wer das ein paar Wochen konsequent übt, führt spürbar bessere Gespräche — nicht über Nacht, aber verlässlich.

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Häufige Fragen

Kann ich den DISG-Typ eines Kunden wirklich am Telefon erkennen?

Eine erste Einschätzung, ja. Tempo, Redeanteil und die Art der Fragen verraten viel: Wer sofort zur Sache kommt, tendiert zu D, wer plaudert zu I, wer zurückhaltend bleibt zu S, wer präzise nachfragt zu G. Behandle das als Hypothese und prüfe sie im Gespräch weiter.

Was mache ich, wenn ich den Typ falsch eingeschätzt habe?

Einfach anpassen. DISG ist ein Werkzeug zum Zuhören, kein Etikett — wenn dein Kunde anders reagiert als erwartet, wechselst du den Stil. Der Kunde merkt davon nichts, er merkt nur, dass das Gespräch besser läuft.

Muss ich mich für jeden Kunden verstellen?

Nein. Du bleibst bei deinem Angebot und deiner Haltung, du änderst nur die Übersetzung: mehr Tempo für D, mehr Beziehung für I, mehr Sicherheit für S, mehr Belege für G. Das ist keine Verkleidung, sondern Respekt vor der Art, wie dein Gegenüber entscheidet.

Funktioniert DISG auch im B2B-Vertrieb?

Ja, denn auch im B2B entscheiden Menschen, keine Firmen. Beachte aber, dass dort oft mehrere Personen mit unterschiedlichen Typen am Tisch sitzen — der Geschäftsführer tickt anders als der Einkäufer. Dann bedienst du beide: klares Ergebnis für den einen, saubere Unterlagen für den anderen.

René Endres
René Endres
Gründer #MACHABERAUCH · IHK-Ausbilder · Köln

Klartext statt Hype: René schreibt hier über das, was er selbst lebt — Verhalten verstehen, Entscheidungen treffen, machen. Sein Einstieg für dich: die kostenlose Potenzialanalyse.

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