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DISG im Team: Warum ihr aneinander vorbeiredet — und wie ihr euch ergänzt

Vier Leute, ein Projekt, drei Missverständnisse pro Meeting. Wer DISG im Team versteht, erkennt schnell: Die meisten Konflikte sind keine Charakterfragen, sondern Stilfragen. Der eine will Tempo, die andere will Sicherheit — und beide halten den jeweils anderen für das Problem.

In diesem Artikel siehst du, wo die typischen Reibungspunkte zwischen den vier Typen liegen, wie ihr Rollen nach Stärken besetzt und wie du als Führungskraft so delegierst und Feedback gibst, dass es ankommt. Falls dir die Grundlagen fehlen: Lies zuerst DISG-Modell einfach erklärt — dann holst du aus diesem Text mehr raus.

Warum redet ihr aneinander vorbei?

Jeder DISG-Typ sendet anders — und hört anders. Ein dominanter Typ sagt „Machen wir so“ und meint damit Effizienz. Ein stetiger Typ hört daraus: „Deine Bedenken interessieren mich nicht.“ Beide haben aus ihrer Sicht recht.

Das Problem ist selten der Inhalt. Es ist die Verpackung. Dieselbe Information kommt beim einen als Klartext an, beim anderen als Angriff, beim dritten als heiße Luft. Solange ihr das nicht wisst, streitet ihr über Sachfragen — und meint in Wahrheit Stilfragen.

Deshalb lohnt sich der Blick auf die Typen im Team. Nicht um Leute in Schubladen zu stecken, sondern um zu verstehen, warum der Kollege so reagiert, wie er reagiert.

Die vier Typen im Schnellcheck

Zur Erinnerung, worauf die vier Stile im Arbeitsalltag hinauswollen:

  • D — Dominant: will Ergebnisse, Tempo und Kontrolle. Mehr dazu im Porträt des dominanten Typs.
  • I — Initiativ: will Menschen, Begeisterung und Sichtbarkeit. Mehr im Porträt des initiativen Typs.
  • S — Stetig: will Stabilität, Verlässlichkeit und ein gutes Miteinander. Mehr im Porträt des stetigen Typs.
  • G — Gewissenhaft: will Qualität, Struktur und belastbare Fakten. Mehr im Porträt des gewissenhaften Typs.

Kaum jemand ist ein Reintyp. Aber fast jeder hat ein bis zwei Stile, die dominieren. Und genau da entstehen die klassischen Reibungspunkte.

Wo knallt es am häufigsten?

D gegen S: Tempo trifft Stabilität

Der D-Typ entscheidet schnell, ändert Kurs, wenn es nötig ist, und erwartet, dass alle mitziehen. Der S-Typ braucht Zeit, um Veränderungen zu verarbeiten — nicht aus Trotz, sondern weil er Verlässlichkeit ernst nimmt. Für den D ist der S eine Bremse. Für den S ist der D rücksichtslos.

Beide sehen nur das halbe Bild. Ohne D würde das Team ewig diskutieren. Ohne S würde es bei jedem Kurswechsel die Hälfte der Leute verlieren. Die Lösung ist kein Kompromiss in der Mitte, sondern Übersetzung: Der D kündigt Veränderungen früher an und erklärt das Warum. Der S sagt seine Bedenken offen, statt zu schweigen und innerlich auszusteigen.

I gegen G: Begeisterung trifft Genauigkeit

Der I-Typ pitcht die große Idee, malt das Zielbild, reißt alle mit. Der G-Typ stellt die dritte Detailfrage in Folge. Der I fühlt sich ausgebremst: „Warum zerredest du alles?“ Der G fühlt sich nicht ernst genommen: „Warum plant hier niemand?“

Auch hier gilt: Beide Stile braucht es. Ideen ohne Prüfung werden Luftschlösser. Prüfung ohne Ideen wird Verwaltung. Praktisch heißt das: Der I bringt zur Idee wenigstens eine grobe Zahlenbasis mit. Der G fragt zuerst „Was ist das Ziel?“, bevor er in die Details geht. So fühlt sich keiner vom anderen sabotiert.

Und die anderen Paarungen?

D gegen G streitet über die Entscheidungsgrundlage: Der D entscheidet mit 70 Prozent der Informationen, der G will 100. I gegen S ist selten ein lauter Konflikt — eher überrollt der I den S mit Tempo und Ideen, während der S nickt und sich zurückzieht. Leise Konflikte sind die gefährlicheren, weil sie niemand anspricht.

Wer macht was? Rollen nach Stärken besetzen

Ein Team wird stark, wenn jeder überwiegend das tut, was seinem Stil liegt. Nicht ausschließlich — aber überwiegend. Als grobe Orientierung:

  • D: Entscheidungen treiben, verhandeln, Krisen anpacken, Neues aufbauen.
  • I: präsentieren, Kontakte knüpfen, Kunden und Kollegen begeistern, Stimmung halten.
  • S: Kunden langfristig betreuen, neue Leute einarbeiten, Prozesse verlässlich am Laufen halten.
  • G: Qualität sichern, Zahlen und Verträge prüfen, Planung und Struktur bauen.

Zwei Warnungen dazu. Erstens: Das ist eine Orientierung, kein Gesetz — Menschen sind Mischtypen und können mehr als ihr Hauptstil. Zweitens: Der eigene Typ ist keine Ausrede. „Ich bin D, ich mache keine Dokumentation“ ist kein Stärkeneinsatz, sondern Bequemlichkeit.

Wie delegierst du typgerecht?

Dieselbe Aufgabe, vier verschiedene Übergaben. Wenn du führst, lohnt es sich, die Übergabe an den Empfänger anzupassen statt an deinen eigenen Stil:

  • An einen D: Ziel, Rahmen, Deadline — dann Freiraum. Nichts demotiviert einen D schneller als Mikromanagement.
  • An einen I: Verbinde die Aufgabe mit Sichtbarkeit und Menschen. Und setz Zwischentermine, sonst verliert die Aufgabe nach der Anfangsbegeisterung ihren Reiz.
  • An einen S: Gib Kontext: Warum diese Aufgabe, was hängt daran, wer hilft bei Fragen. Ein S liefert extrem verlässlich — wenn er weiß, woran er ist.
  • An einen G: Kläre Kriterien und Qualitätsanspruch vorab. Was heißt „fertig“, was heißt „gut genug“? Ständig wechselnde Vorgaben sind für einen G der sichere Weg in den Frust.

Der häufigste Fehler: Führungskräfte delegieren so, wie sie selbst gern Aufgaben bekommen würden. Ein D-Chef gibt allen „Ziel und Freiraum“ — und wundert sich, warum sein S-Mitarbeiter unsicher wird und sein G-Mitarbeiter zehn Rückfragen stellt.

Wie gibst du typgerecht Feedback?

Auch Kritik kommt je nach Typ völlig unterschiedlich an. Die Faustregeln:

  • Beim D: direkt, kurz, sachlich. Aufs Ergebnis, nicht auf die Person. Ein D verträgt Klartext besser als Watte — Umschweife machen ihn misstrauisch.
  • Beim I: erst anerkennen, was gut lief, dann konkret werden. Lob gern vor der Gruppe, Kritik immer unter vier Augen. Öffentliche Blamage verzeiht ein I lange nicht.
  • Beim S: ruhig, in Ruhe, mit Sicherheit im Gepäck. Ein S bezieht Kritik schnell auf die Beziehung — mach klar, dass es um die Sache geht und sein Platz nicht in Frage steht.
  • Beim G: mit Fakten und konkreten Beispielen. Vage Kritik wie „Sei mal lockerer“ kann ein G nicht verarbeiten. Gib ihm Zeit, das Feedback durchzudenken — die Antwort kommt oft erst am nächsten Tag, dafür durchdacht.

Was DISG im Team nicht kann

Ein ehrlicher Einschub. DISG beschreibt Verhaltenstendenzen — nicht Kompetenz, nicht Charakter, nicht Intelligenz. Das Modell geht auf William Moulton Marston zurück, der die Grundlagen 1928 beschrieb, und es ist eine Landkarte, kein Röntgenbild. Wenn dich die Einordnung des Modells interessiert, findest du sie im Artikel DISC oder DISG.

Konkret heißt das: Benutze die Typen nie als Etikett gegen Kollegen. „Du bist halt D, deshalb hört dir keiner zu“ ist kein Teamgespräch, sondern eine neue Front. Die Typen sind ein Werkzeug, um den anderen besser zu verstehen — nicht, um ihn abzustempeln.

Der erste Schritt: Kennt eure Profile

Der einfachste Einstieg für ein Team: Jeder macht den Test, dann setzt ihr euch zusammen und jeder beantwortet zwei Fragen. „So arbeite ich am besten“ und „Das bringt mich auf die Palme“. Allein diese Runde erklärt oft Konflikte, die seit Monaten schwelen.

Dein eigenes Profil bekommst du kostenlos über die Macher-Potenzialanalyse — inklusive deiner Antriebsmotive, die noch eine Ebene tiefer gehen als der Verhaltensstil.

Und dann das Entscheidende: dranbleiben. Ein Workshop ändert kein Team. Was ein Team ändert, ist die Anwendung im Alltag — bei der nächsten Übergabe, im nächsten Feedbackgespräch, im nächsten Meeting, wenn du dich fragst, warum der Kollege gerade so reagiert. Kleine Übersetzungsleistungen, jeden Tag. Das ist unspektakulär. Aber es funktioniert.

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Häufige Fragen

Braucht ein gutes Team alle vier DISG-Typen?

Nein, das ist kein Muss. Aber sehr einseitige Teams haben blinde Flecken: lauter D-Typen produzieren Reibung, lauter S-Typen vermeiden nötige Entscheidungen. Wichtiger als die perfekte Mischung ist, dass ihr wisst, welche Perspektive euch fehlt — und sie bewusst einholt.

Sollten alle im Team ihre DISG-Profile offenlegen?

Freiwillig ja — die Wirkung entsteht erst, wenn ihr offen darüber sprecht, wie jeder am besten arbeitet. Zwingen solltest du niemanden, und das Profil darf nie als Bewertungsinstrument oder Argument gegen jemanden benutzt werden.

Was mache ich, wenn zwei Kollegen ständig aneinandergeraten?

Prüfe zuerst, ob es ein Stil-Konflikt ist: Oft wollen beide dasselbe, nur auf verschiedenen Wegen. Dann hilft Übersetzen statt Schlichten — jeder benennt, was er vom anderen braucht, und ihr vereinbart konkrete Spielregeln für Übergaben und Entscheidungen.

Kann ich den DISG-Typ meiner Mitarbeiter einfach erraten?

Beobachtung gibt dir Hinweise, aber sie täuscht auch schnell — viele Menschen zeigen im Job ein anderes Verhalten als privat. Ein Test ist verlässlicher als dein Bauchgefühl. Und selbst dann gilt: Das Profil ist eine Tendenz, keine Schublade.

René Endres
René Endres
Gründer #MACHABERAUCH · IHK-Ausbilder · Köln

Klartext statt Hype: René schreibt hier über das, was er selbst lebt — Verhalten verstehen, Entscheidungen treffen, machen. Sein Einstieg für dich: die kostenlose Potenzialanalyse.

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